moBBI - Mobile Beratung und Begleitung zur Intervention bei Gewalt

Häufig wenden sich  junge volljährige Frauen in großer Not an uns. Sie erleben psychische, körperliche oder sexualisierte Gewalt durch Familienangehörige oder sind von Zwangsverlobung, Zwangsheirat oder Zwangsrückführung bedroht. Zugleich stehen sie an einer besonderen Schwelle in ihrem Leben, die über ihre Zukunft entscheiden kann: Sie sind volljährig, absolvieren ihren Schulabschluss oder beginnen eine Ausbildung oder ein Studium. Und sie sind oftmals noch nicht in der Lage, ein eigenständiges Leben zu führen. Sie sind abhängig von Menschen, die ihnen nahe stehen und sie dennoch bedrohen.

In dieser Situation stehen wir vor folgender Herausforderung: Schnellen Schutz für diese jungen volljährigen Frauen bieten im Frankfurter Raum die Frauenhäuser, unsere Schutzwohnungen FemJa oder – im schlechtesten Fall – andere temporäre Unterbringungen wie Hostels. Oftmals sind bei Anfragen alle Frauenhausplätze voll belegt. Zur Aufnahme bei FemJa muss vorab das Jugendamt eingeschaltet werden und zustimmen, da die Unterbringung über eine Jugendhilfemaßnahme erfolgt und finanziert wird. Dies kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Zeit, die eine hochbedrohte junge Frau aber nicht hat! Zugleich ist es enorm wichtig, dass sie umgehend Unterstützung und Hilfe erhält. Denn der Schritt, die Familie und deren Gewaltmuster zu verlassen, erfordert viel Mut und Entschlossenheit. Ob er der jungen Frau endgültig gelingt, hängt auch davon ab, wie sie aufgefangen und begleitet wird.

FeM hat deshalb im Herbst 2017 die „Mobile Beratung und Begleitung zur Intervention bei Gewalt“ (moBBI) ins Leben gerufen. Eine speziell geschulte Pädagogin, die die Angebote der Jugendhilfe, die Lebenswelt dieser jungen Frauen und die besonderen Anforderungen dieser Altersgruppe gut kennt, steht Frauen zwischen 18 und 21 Jahren als mobile Ansprechpartnerin zur Verfügung.

Die FeM-Pädagogin …

  • unterstützt schnell und unmittelbar bei der Suche nach Schutz und einer Notunterkunft (z. B. Frauenhaus).
  • informiert über die weiteren Hilfsmöglichkeiten und Schritte (z. B. Antrag beim Jugendamt) und begleitet bei Antragstellung und Kontakt zu kommunalen Behörden oder Fachstellen.
  • vermittelt ggf. an FemJa (sofern indiziert und ein Platz frei ist).
  • unterstützt bei der Entwicklung einer neuen Lebensperspektive.

Die Beratung und Begleitung erfolgt vertraulich, anonym und parteilich. Sie kann überall erfolgen, wo es die Hilfesuchende wünscht. In 2018 sollen zusätzlich Büroräume für Beratungsmöglichkeiten angemietet werden.

moBBI wird von einem zweijährigen wissenschaftlichen Forschungsprojekt der Johann Wolfgang Goethe-Universität im Fachbereich Erziehungswissenschaften begleitet. Dr. Milena Noll und ihr Team untersuchen die „Bedürfnisse und Versorgung junger volljähriger Frauen in akuten Gewaltverhältnissen im kommunalen Hilfesystem“.

Die Startphase von moBBI wird unterstützt durch Mittel des Hessischen Sozialministeriums und durch Spenden.

Kontakt moBBI

Telefon: 0176-85633865
E-Mail: mobbi [at] fem-maedchenhaus [dot] de